Stellungnahme der Sportkommission Skateboard im DRIV zur Vergabe der Skateboard-Weltmeisterschaften für Park und Street an die Vereinigten Arabischen Emirate durch World Skate

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Nachdem die ursprünglich Ende 2022 in Brasilien geplanten Weltmeisterschaften für Park und Street von World Skate ohne transparente Begründung kurzfristig abgesagt wurden, wurde die Skateboard Szene weltweit jetzt mit der Ankündigung überrascht, die Contests nach Sharjah (Vereinigte Arabische Emirate) zu vergeben. Diese Entscheidung halten wir für grundlegend falsch und haben dazu eine Stellungnahme formuliert, in der wir unsere Gründe darlegen.

Wir erwarten, dass Entscheidungen von World Skate über die Vergabe von Qualifikationsveranstaltungen für die Olympischen Spiele 2024 in Paris in transparenter und partizipativer Weise unter Einbeziehung der Athlet*innenvertretung getroffen werden.

Zentraler Maßstab für eine Vergabe muss eine vorherige offensive Auseinandersetzung mit der Menschenrechtslage im jeweiligen Austragungsland sein.

Die Stellungnahme im Wortlaut:

Stellungnahme der Sportkommission Skateboard zur Vergabe der Skateboard-Weltmeisterschaften für Park und Street an die Vereinigten Arabischen Emirate durch World Skate

  1. Nachdem Worldskate, aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen, die im Jahr 2022 in
    Brasilien geplanten Weltmeisterschaften für Park und Street abgesagt hat, sind diese
    Veranstaltungen für alle überraschend in die Vereinigten Arabischen Emirate vergeben
    worden. Wir erwarten von WS, dass offengelegt wird, welche Gremien diese
    Entscheidung vorbereitet bzw. entschieden haben und welche Alternativen bestanden.
  2. Wir halten die getroffene Entscheidung für nicht korrekt, weil es erhebliche Zweifel daran
    gibt, dass Skateboard Weltmeisterschaften in diesem Land mit unseren Vorstellungen von
    Skateboarding, seiner Kultur und den durch die weltweite Skateboardcommunity
    vertretenen Werten übereinstimmt. Die Skateboardkommission, aber auch der nationale
    Spitzenverband DRIV, dem wir angehören, ist der Achtung aller national und international
    anerkannten Menschenrechte verpflichtet. Diese sehen wir in dem seit dem 18.
    Jahrhundert von der AL-Quasimi-Dynastie autokratisch regierten Sharjah nicht
    gewährleistet.
  3. Die Sportkommission Skateboard unterstützt die tatsächliche Durchsetzung der
    Gleichstellung aller Geschlechter und wirkt mit gezielter Frauenförderung auf die
    Beseitigung bestehender Nachteile hin. Sie begreift die Förderung von Vielfalt als
    Gewinn für Sport und Gesellschaft und verpflichtet sich, bei allen Maßnahmen und auf
    allen Ebenen die Strategie des Gender Mainstreamings anzuwenden sowie Integration
    und Inklusion umzusetzen, um Gleichstellung und Chancengleichheit im Sport zu sichern.
    All dies sind Ziele, die auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) vertritt.
  4. Nach unseren Informationen werden diese Überzeugungen grundsätzlich in den VAE
    nicht geteilt bzw. sogar aktiv bekämpft. Es gibt Gesetze, die nicht mit unseren Werten
    übereinstimmen, so wird Homosexualität zum Beispiel in den VAE mit bis zu zehn Jahren
    Gefängnis bestraft. Generell werden LGBTQ-Personen durch das Strafgesetzbuch
    diskriminiert. Auch die Rechte der Frauen entsprechen nicht dem Standard, den wir uns
    für unsere Sportlerinnen wünschen und mit dem sie sich identifizieren. Die Presse- und
    Meinungsfreiheit ist eingeschränkt, insbesondere in den sozialen Medien, und wird in
    einigen Fällen auch mit Haftstrafen geahndet. Internationale NGO-Mitglieder dürfen
    nicht in das Land einreisen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Berichte, in denen deutlich
    wird, dass z.B. immer wieder Menschenrechtsverletzungen vor allem an
    Wanderarbeitern begangen werden, vor allem für den Bau von neuen Gebäuden und
    Anlagen eingesetzt werden.
  5. Ein weiterer für uns relevanter Punkt ist das Fehlen einer für uns sichtbaren und
    integrativen Skateboardkultur und -Gemeinschaft in diesem Land. Wir sehen keine
    historisch gewachsene Skateboardszene von Relevanz und einer gelebten Praxis, an der
    Skaterinnen, ungeachtet des Geschlechts, gleichberechtigt teilhaben können. Die Entscheidung, Sharjah als Austragungsort zu wählen folgt in unseren Augen nicht sportlichen, sondern allein kommerziellen Erwägungen. Damit setzt sich leider auch in unserem Weltverband eine Tendenz fort (Fußball WM, Olympische Spiele), populäre sportliche Großereignisse an autoritär oder diktatorisch geführte Staaten zu vergeben, weil nur sie den Ansprüchen von World Skate Rechnung tragen können und wollen. Das Argument, damit Impulse für einen demokratischen Wandel zu setzen oder die jeweilige Sportart nachhaltig zu unterstützen haben sich bisher nicht erfüllt. Wir erwarten, dass Entscheidungen von World Skate über die Vergabe von Qualifikationsveranstaltungen für die Olympischen Spiele 2024 in Paris in transparenter und partizipativer Weise unter Einbeziehung der Athletinnenvertretung getroffen werden.
    Zentraler Maßstab für eine Vergabe muss eine vorherige offensive Auseinandersetzung mit
    der Menschenrechtslage im jeweiligen Austragungsland sein. Dies ist bisher nicht erkennbar.

Sportkommission Skateboard (SKSB) im Deutschen Inline und Rollsport Verband (DRIV)

13. Dezember 2022
Kontakt bei Fragen: wibbelt@skateboarddeutschland.de

Die Stellungnahme als Download

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